Baumaterialien in der Antike

Welche Materialien verwendeten die Römer eigentlich zum Bau Ihrer Gebäude? Was findet sich davon noch auf heutigen Baustellen? Diesen Fragen sind wir nachgegangen.

 Rekonstruierte Römische Baukunst in Carnuntum

 

Der Frühling ist die Zeit starker Bautätigkeit – das gilt auch für Carnuntum (einen guten Einblick dazu gibt es in der neuesten Episode von Moe's Römer-Reisen auf unserer Facebook-Seite). Das haben wir uns zum Anlass genommen für unsere neue Mini-Serie: Das Bauwesen der Antike. Mit starkem Fokus auf Carnuntum zur Römerzeit beleuchten wir immer andere Aspekte dieses spannenden Themas und fangen wie bei einem echten Haus an: Mit den Baumateralien. 

Aus heutiger Sicht wirken die Baumaterialien der Römer erstaunlich modern. Alle heute wichtigen Baumaterialien wie Lehm, Holz, Stein, Ziegel und Kalkmörtel waren den Römern bekannt. Auch Stahl und Glas waren den Römern bekannt, jedoch wurde Stahl vornehmlich für die Herstellung von Waffen verwendet (Stahl als Baumaterial ist erst seit rund 100 Jahren in Verwendung), Glas wurde deutlich sparsamer eingesetzt als im heutigen Bauwesen (vorwiegend für Fenster).

Auch auf eine dem heutigen Beton ähnliche Technik, den sogenannten Gussmörtel („opus caementitium“), konnten die Römer bei ihren Bauwerken zurückgreifen. Er kam unter anderem beim Bau des Pantheons, des Kolosseums und diverser Wasserleitungen zum Einsatz. Überhaupt wurden die Materialien entsprechend eingesetzt um eine möglichst ökonomische Bauweise zu erzielen. Glas wurde wie bereits erwähnt für Fenster eingesetzt, als Metalle wurden vor allem Eisen und Bronze entsprechend zur Anwendung gebracht.

 

Kosteneffizenz als treibende Kraft

 

Die Römer hatten sowohl luftgetrocknete Lehmziegel in Verwendung, als auch gebrannte Ziegel. Im ersten Jahrhundert nach Christus erreichte der gebrannte Ziegel in der Architektur in Rom eine immer größere Bedeutung gegenüber dem Luftgetrockneten. Die Maße der Ziegel waren einheitlich und je nach Verwendungszweck wurde ein Vielfaches oder ein Teil verwendet, was natürlich im Baualltag vieles vereinfachte und das Rationale in der römischen Bautechnik zeigt.

In Carnuntum waren gebrannte Ziegel als Baumaterial von Mauern nicht vorhanden. Sie wurden nur für besondere Bauteile der Heizungen (wie Hypkaustenpfeiler), Suspensurplatten, Kanalsohlen und vor allem für die Dachdeckung verwendet. Warum war das so, wenn genormte Ziegel den Arbeitsaufwand doch deutlich verringern? Die einfache Antwort: Transportkosten. Das benötigte Steinmaterial für die Mauern konnte in Carnuntum aus der näheren Umgebung gewonnen werden, was natürlich deutlich günstiger kommt, als genormte Ziegel erst aus größerer Entfernung heranschaffen zu müssen.

Hier waren vor allem Gesteine vom Hundsheimer Berg, aber auch solche vom Leithagebirge in Verwendung. Der Hundsheimer Berg ist durch eine Vielzahl von Gesteinen wie Granit, Kalk, Dolomit und Sandsteine gekennzeichnet, die allesamt für das Bauwesen geeignet sind. Die Entscheidung mit diesen Materialen zu bauen, war somit vor allem eine Frage der Kosten. Für Bildhauerarbeiten sind die Gesteine des Hundsheimer Bergs aufgrund ihres Gefüges übrigens nicht sonderlich geeignet, weshalb der für besondere Anwendungen vorbehaltene Marmor über weite Strecken herangeschafft werden musste.

 

Der nächste Teil unserer Mini-Serie beschäftigt sich mit der römischen Architektur...

 

 

Quellen und weiterführende Literatur:

Vitruv: Zehn Bücher zur Architektur, Reclam.

J.-P. Adam: Roman Building. Materials and Techniques. (1994)

N. Mayr: Zur Petrologie und ausgewählten technologischen Eigenschaften der Inschriftentafeln des römischen Tempelbezirkes auf dem Pfaffenberg bei Carnuntum. (Ungedr. Diplomarbeit TU Wien 2003).

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