Virtuelle Ausstellung – Der Adler Roms

Teil I – Kaiser, Herrschaft und Religion

 

In Zeiten der Corona Krise ist ein Besuch des Museum Carnuntinum leider nicht möglich. Bis es wieder soweit ist, präsentieren wir Ihnen die aktuelle Ausstellung, "Der Adler Roms" online, so dass Sie bequem von zuhause das Schatzhaus von Carnuntum erkunden können. Danke, dass Sie zuhause bleiben. Nun aber ohne Umschweife zur Ausstellung:

Der Adler Roms – Carnuntum und die Armee der Caesaren

Der Adler, Symbol des obersten Reichsgottes Iuppiter und Zeichen der Legion, steht allgemein für das römische Militär, das den Aufstieg Carnuntums zu einem der wichtigsten militärischen, politischen und wirtschaftlichen Zentren an der mittleren Donau bereitete. Als Standort einer Legion und einer Hilfstruppeneinheit spielte die römische Stadt über vier Jahrhunderte eine dominante Rolle in der Sicherung der Nordgrenze des Römischen Reiches.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von der Bedeutung des römischen Militärs als Macht- und Wirtschaftsfaktor sowie Kulturträger innerhalb des Weltreiches bis hin zu persönlichen Karrieren und Lebensschicksalen einzelner römischer Soldaten in Carnuntum. Anhand zahlreicher archäologischer Hinterlassenschaften werden unter anderem Ausrüstung und Organisation des römischen Heeres, seine vielfältigen Aufgaben in der Provinzverwaltung, als auch das Leben und der Alltag der Soldaten am Rande des Imperiums nachgezeichnet.

Das römische Heer war von entscheidender Bedeutung für die Entstehung und den Fortbestand des römischen Weltreiches, das sich über drei Kontinente - Europa, Asien und Afrika - erstreckte. Die durch das Militär verbreiteten zivilisatorischen und kulturellen Errungenschaften der Römer, wie Rechtsordnung und Infrastruktureinrichtungen, wirken bis heute in großen Teilen Europas nach. Letztlich sind Globalisierung, Mobilität und Integration im Römischen Reich Themen, die auch heute noch aktuell sind.

Legionsadler mit Blitzbündel (Nachbildung): Der Adler steht für das römische Militär und symbolisiert den Machtanspruch Roms. Seit den Kimbernkriegen im Jahr 104 v. Chr. hatte er den Rang des höchsten Feldzeichens und seit der römischen Kaiserzeit war er Symbol der Bindung der Soldaten an Kaiser und Staat. Der Verlust des Legionsadlers war die schlimmste Schmach, die eine Legion treffen konnte. Originale Bestandteile haben sich nicht erhalten, doch besitzen wir zahlreiche bildliche Darstellungen auf Münzen und Steinreliefs.

 

Kaiser und Heer

Der Kaiser war als Stellvertreter Iuppiters und Patron der Soldaten der wichtigste Faktor im römischen Herrschaftssystem. An seine Person waren annähernd alle Befehlsgewalten gebunden. Als oberster Heerführer und Dienstherr der Soldaten war er auch die zentrale militärische Instanz des Staates. In den Provinzen, in denen Truppen stationiert waren, wurden die Statthalter und Truppenkommandeure direkt vom Kaiser ausgewählt und agierten als seine Stellvertreter. Mit dem Heer stand dem Kaiser ein Machtinstrument zur Verfügung, mit dem er Rom gegen äußere Bedrohungen und sich selbst gegen innere Feinde schützen konnte. Somit bildete die Armee die wichtigste Stütze seiner Herrschaft.

Als Zeichen der Loyalität und der Treue des Heeres gegenüber dem Kaiser als ihrem Oberbefehlshaber wurden Ehrenstatuen des Herrschers und seiner Familie in den Militärlagern aufgestellt. Auch in Carnuntum wurden die Statuen eines Kaisers und einer Kaiserin in der Querhalle des Stabsgebäudes (principia) nahe des Lagerheiligtums gefunden.
Das Lagerheiligtum (aedes principiorum) war das kultische Zentrum des Legionslagers sowie Aufbewahrungsort der Truppenkassa und der Feldzeichen. Dem Gebäude wird ein Giebelrelief zugeordnet, das Victoria auf einem Globus und ein Capricorn, das Legionszeichen der in Carnuntum stationierten legio XIIII Gemina Martia victrix zeigt.

 

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Die Kaiserstatue aus Marmor stellt einen Herrscher der severischen Dynastie (193-235 .Chr.) als Feldherr im Prunkpanzer dar. Gelegentlich wurden solchen Statuen so konzipiert, dass der Kopf austauschbar war, was wohl einer hohen Zahl an (Soldaten-)Kaiser geschuldet war.

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Weibliche Gewandstatue mit Kind: Die annähernd lebensgroße Statue aus dem Stabsgebäude des Legionslagers trägt ein Kind auf der linken Handfläche. Die über beide Schultern gelegte, lang herabfallende Schärpe und der aus zwei Ketten bestehende Halsschmuck erinnern an die Tracht palmyrenischer Frauen. Es handelt sich wohl um eine Ehrenstatue, die im Legionslager aufgestellt war und wahrscheinlich ein weibliches Mitglied des Kaiserhauses (mater castrorum?) darstellt.

 

Unter dem Adler Roms

Der Adler ist das Symbol des obersten Reichsgottes Iuppiter und zugleich das Zeichen der Legion.  Er steht allgemein für das römische Militär und symbolisiert den Machtanspruch Roms.

Unter den Feldzeichen, die im Lagerheiligtum standen und als Identitätssymbole der Einheiten auch kultisch verehrt wurden, nahm der Legionsadler (aquila) sakral und politisch eine besondere Stellung ein. Seit der späten Republik hatte er den Rang des höchsten Feldzeichens und war das Symbol der Bindung von Soldaten, Kaiser und Staat. Der Legionsadler, der vom Adlerträger (aquilifer) auf einer langen Stange getragen wurde, verließ das Lager nur, wenn die Legion ausrückte. Sein Verlust hatte dieselbe Bedeutung wie der Verlust einer Legion.  

Der auf dem Blitzbündel oder dem Globus sitzende Adler ist auch ein beliebtes Motiv in der provinzialen Kunst. Als Attribut des Iuppiter hat er nicht nur im militärischen Umfeld, sondern vor allem auch in die kaiserliche Bildpropaganda Eingang gefunden.

 

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Der kolossale Kopf gehörte zu einer Statue, die den Kaiser im Muskelpanzer darstellte. Er war gesondert gearbeitet und in die Panzerstatue eingesetzt gewesen. Spuren der Montage sind in den Ansätzen des Bleivergusses auf der Vorder- und Rückseite des Halses zu erkennen. Die Beschädigungen auf der rechten Gesichtshälfte wurden dem Kopf wahrscheinlich bei der Demolierung der Statue nach der Ermordung des Kaisers (235 n. Chr. bei Mogontiacum [heute Mainz]) zugefügt. Das Carnuntiner Porträt des jungen Kaisers syrischer Herkunft, der als 13jähriger auf den Thron kam, stammt sicher aus einer Werkstatt der Donauprovinzen, wahrscheinlich aus einem pannonischen Atelier.

 

Zerbrochener Glanz

Römische Ehrenstatuen aus Bronze, die in Carnuntum und den nördlichen Provinzen vor allem für die Person des Kaisers und seine Familie aufgestellt wurden, waren Symbole des kaiserlichen Herrschaftsanspruchs und Sinnbilder der ständigen Gegenwart des Kaisers am Rande des Imperiums. Loyalitätsbekundung, Dankbarkeit für Wohltaten, oder auch die persönliche Anwesenheit eines Herrschers waren Beweggründe und mögliche Anlässe für eine Statuenehrung.

Zu den kaiserlichen Ehrungen gehörten Panzerstatuen mit reich verzierten Muskelpanzern (thorax), welche die Mannhaftigkeit (virtus) verkörperten und besonders in militärischen Bereichen zu finden sind. Eine besonders exklusive Form der Statuenehrung stellen Reiterstandbilder dar, die auch in den Militärlagern aufgestellt waren.

Von den oftmals monumentalen und vergoldeten Bronzestatuen haben sich heute meist nur noch kleine Fragmente erhalten, da sie aufgrund des materiellen Wertes zum Teil bereits in römischer Zeit umgeschmolzen wurden. Der in der Nähe des Legionslagers von Carnuntum gefundene Bronzekopf des Kaisers Severus Alexander ist eines der wenigen monumentalen bronzenen Kaiserporträts, die aus der Antike erhalten sind.

 

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Wie in anderen Städten des Imperium Romanum, so befanden sich auch in Carnuntum sowohl im Zentrum der Zivilstadt als auch im Legionslager mehrere überlebensgroße Bronzestatuen. Metall wurde allerdings zu allen Zeiten benötigt, so dass es meist zu Einschmelzungen in der Spät- oder Nachantike kam und wenn überhaupt nur Bruchteile der Statuen bis in unsere Zeit überdauerten.

 

Religion des römischen Heeres

Die schriftlichen und bildlichen Quellen aus militärischem Umfeld zeichnen das Bild einer offiziellen und relativ einheitlichen Religion des römischen Heeres. Die Riten und Feste der Armee zielten in erster Linie auf die Loyalität zum Kaiserhaus, die Stabilität der römischen Staatsform und den Zusammenhalt der Truppen ab.

Zu den Pflichten der Soldaten gehörte es, sich der Gunst der römischen Staatsgötter zu versichern. Dies konnte durch kollektive Rituale, wie Opfer, Gelübde und Weihungen von militärischen Einheiten und ihren Abteilungen geschehen. Meist führten höhere Dienstgrade diese Handlungen stellvertretend durch. Alle militärischen Aktionen wurden von rituellen Akten begleitet, die den Schutz der Götter gewährleisten sollten.

Die militärischen Weihungen sind in erster Linie an die traditionellen Götter des römischen Pantheon, allen voran Iuppiter, Iuno, Minerva und Mars, aber auch Hercules und Silvanus gerichtet. Für besondere Bereiche waren spezifische Personifikationen zuständig, wie die Siegesgöttin Victoria, die Schicksalsgöttin Fortuna (Nemesis) oder die Göttin der Tapferkeit Virtus. Einzelne Teile der militärischen Verbände, wie etwa die Zenturien, verehrten eigene Schutzgottheiten (Genien).

 

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Die Siegesgöttin Victoria steht nicht nur für die Erringung eines bestimmten Sieges, sondern symbolisiert einen dauerhaften Zustand: die Unbesiegbarkeit Roms. Sie ist die ständige Begleiterin des Kaisers und die Garantin für den siegreichen Ausgang von Kriegen und Auseinandersetzungen. Victoriadarstellungen begegnen nicht nur in der offiziellen Staatskunst und auf römischen Waffen, sondern finden sich häufig auch auf Münzen und in der provinzialen Kunst, wie zahlreiche Bronzestatuetten aus Carnuntum belegen. Ein beliebter Bildtypus zeigt Victoria auf dem Globus stehend mit einem Palmzweig in der einen und einem Siegeskranz in der erhobenen anderen Hand.

 

Individuelle Religiosität der Soldaten

Die Religion der Römer kannte keine Einschränkung der individuellen Religiosität. Auch die Soldaten konnten neben den verpflichtenden Loyalitätsbekundungen an die Götter des Heeres ihren privaten Glauben nach eigenen Vorstellungen leben.

In den Weihungen militärischer Stifter ist die gesamte Vielfalt des römischen Götterhimmels vertreten. Häufig spiegeln gerade die Zeugnisse persönlicher Nöte, Ängste und Hoffnungen besonders deutlich die ethnische Herkunft und unterschiedliche kulturelle Prägung der Soldaten wider. Anders als in den offiziellen militärischen Kulten werden regionale Unterschiede fassbar.
Wie in anderen Milieus der römischen Gesellschaft spielten Aberglauben und Magie eine wichtige Rolle. Amulette und unheilabwehrende Symbole sollten für Schutz sorgen, Zaubertexte ihre Wirkung im Verborgenen entfalten.

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Minerva und Athena: Lediglich Details in der Darstellung machen eine Unterscheidung möglich: beide Göttinnen sind mit Helm, Speer, Ägis (Brustwehr) dargestellt, jedoch zeigt etwa der Helm der Athene in ihrer Form als jungfräuliche Stadtgöttin Athens (Parthenos) Details, die das 12 m hohe Standbild aus Elfenbein und Gold, geschaffen von Phidias (500-430 v.Chr.) für ihren Tempel auf der Athener Akropolis wiedergeben.

 

Mithras

Vermutlich ging die Gründung der ersten Mithrasgemeinde in Carnuntum von Soldaten der legio XV Apollinaris aus, die im Jahr 71 n. Chr. vom Einsatz im Osten zurückkehrte. Aus dem sogenannten Mithräum I stammt wahrscheinlich einer der ältesten bekannten Mithrasaltäre des römischen Westens von einem centurio dieser Legion.

Der Ursprung des Sonnengottes Mithra liegt in Persien. Zentrum des römischen Mithraskultes hingegen war die Hauptstadt Rom, wo der Kult eine neue Ausprägung erfuhr und verschiedene philosophische Strömungen aufnahm. Mithras wurde als Beherrscher des Kosmos verehrt. Durch seinen Kult sollte der Eingeweihte die Unsterblichkeit der Seele erlangen.

Der Mithraskult erreichte seine stärkste Verbreitung im ausgehenden 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. und hatte viele Anhänger unter den Soldaten und den Bediensteten der römischen Zollverwaltung.

 

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Der Kult des Mithras fand starke Verbreitung im römischen Militär – unter anderem, weil Frauen von den Kulthandlungen dieses ursprünglich persischen Mystherienkultes ausgenommen waren. Für Carnuntum finden sich mehrere herausragende Belege für Mithräen (Mithrasgrotten) anhand von Inschriften und Mithras-Reliefs.

 

Iuppiter Optimus Maximus Dolichenus

In Doliche (Dülük, Türkei) in der römischen Provinz Syria befand sich ein bekanntes Heiligtum des Wettergottes Hadad. Als 30 v. Chr. die Römer im Königreich Kommagene die Macht übernahmen, wurde der altorientalische Gott an den römischen Iuppiter angeglichen. Vor allem die Soldaten verbreiteten den Kult in allen Teilen des Römischen Reiches. Besonders dicht sind die Belege entlang der militärischen Grenzen in Britannien, an Rhein und Donau, aber auch in Italien und Rom selbst. Mit der Zerstörung Doliches durch die Perser 253 n. Chr. dürfte der Kult großteils zum Erliegen gekommen sein.

Am Westrand der Lagervorstadt (canabae legionis) von Carnuntum befand sich eine Kultanlage für Iuppiter Optimus Maximus Dolichenus mit einem Tempel und einem Vereinshaus mit Küche. Ein bemerkenswertes Skulptureninventar aus diesem Heiligtum ist erhalten geblieben.

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Nach der Zerstörung des Hauptheiligtums in Doliche durch die Perser Mitte des 3. Jahrhunderts ging der Kult komplett zugrunde. Wer wollte schon einem Kriegsgott anhängen, der nicht mal sein eigenes Hauptheiligtum beschützen kann?

 

Wir hoffen der erste Teil hat Ihnen gefallen. Im zweiten Teil geht es um den Aufstieg Carnuntums vom provisorischen Militärlager zur Provinzhauptstadt. Abonnieren Sie unseren Newsletter oder folgen Sie uns auf Facebook um kein Update zu versäumen!

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